Heimat-, Gewerbe- und Geschichtsverein e. V.

TLZ 18.11.2008

Schätze aus der Tiefe

Stotternheimer Saline wird mit einem einmaligen Buch gefeiert

von Theresa Dunkel

 

Für viel Stotternheimer kaum vorstellbar, wäre ihr schönes Örtchen damals in Bad Stotternheim umbenannt worden. Obwohl: Es wäre eine schöne Vorstellung. Immerhin birgt die Vorsilbe „Bad“ meist eine interessante Ortsgeschichte.. Und die hat Stotternheim allemal. Abgesehen von Luther, dessen Wanderroute 1505 Stotternheim kreuzte, kamen auch andere, um für das 3.600-Seelen-Dorf Geschichte zu schreiben. Zweieinhalb Jahrhunderte später wurde hierfür der Grundstein gelegt. Auf der Suche nach Torf wurden 1775 salzige Quellen zwischen Stotternheim und Nöda entdeckt. 

So kamen viele hochrangige Geologen zu den Quellen, um Bohrungen nach dem weißen Go9ld vorzunehmen. Von diesen anfänglichen Bohrversuchen und der späteren Gründung der Saline Louisenhall war es ein mühsamer, aber lohnender Weg. Erst 1828, 53 Jahre nach den ersten Entdeckungen des sogenannten Muschelkalksalzes, wurde die Saline Louisenhall in Stotternheim eröffnet. Bis heute sind die Überbleibsel der Salzbohrungen in Stotternheim präsent: Straßennamen, alte Gebäude und selbst eine Eisenbahnlinie erinnern an die ehemals reichen Salzquellen des Ortes. Doch was passiert alles in 180 Jahren Salinengeschichte? Wahrhaftig eine Frage, über die sich ein ganzes Buch schreiben lässt. Ein Buch, so lehrreich und interessant, dass es in jeden – ja zumindest Stotternheimer – Haushalt und in jeden Thüringer Heimat- und Sachkundeunterricht gehöre, so der Buchautor Dr.-Ing. Heinrich Bartl. 

Seines Buches „Die Salinen und das Solebad zu Stotternheim“ zu Ehren wurde am Freitag (dem 14.11.2008) im Deutschen Haus in Stotternheim eine Festveranstaltung abgehalten. Ein größeres Fest zu Ehren eines Heimatbuches gab es wohl schon lange nicht mehr. 250 Gäste kamen, um den Kinderchor der Stotternheimer Grundschule singen zu hören, um den Grußworten der zahlreichen Gastredner zu lauschen und vor allem, um die interessanten Vorträge und Referate zur Saline zu verfolgen. 

Drei Referenten erzählten ihre Geschichte zu den Salzbohrungen in Stotternheim. Kurt Götze, ehemaliger Ortsbürgermeister Stotternheims und Mitglied des Heimat-, Gewerbe- und Geschichtsvereins, schilderte die Bedeutung der Saline und des Buches für die zahlreichen Ortsanwohner. Denn die Saline Louisenhall barg nicht nur Salz, sondern ermöglichte auch die Eröffnung eines Solebades für Kurgäste. Im 1886, zu den Hochzeiten des Kurbetriebes kamen 5.000 bis 6.000 Gäste im Jahr. Viele reisten mit dem Zug in das kleine Örtchen im damaligen Herzogtum Sachsen-Weimar. „Viele der Gäste kamen sogar aus Berlin. Die nutzten dann alle die Zugverbindung Sangerhausen-Stotternheim. Es hat perfekt gepasst“, erklärte Götze. 

Referent Jörg Bodenstein, Mitglied des Bergmannvereins „Otto Ludwig Krug von Nidda“, erläuterte die Entstehung des Salzes im Raum Mittelthüringen. 250 Millionen Jahre alt sei das Salz, was in 1.500 Metern Tiefe zwischen Stotternheim und Nöda lagere, erzählte Bodenstein. Damals bohrte man allerdings in einer höher liegenden Ebene. 1827 reichten die Bohrungen von Forscher Carl Gotthilf Kind 337 Meter tief – Weltrekord für damalige Verhältnisse. Auch Buchautor Dr.-Ing. Heinrich Bartl gab einige interessante Einblicke in die Geschichte der Saline. So erzählte er, dass auch Johann Wolfgang von Goethe zu den salzigen Quellen in Stotternheim kam. Als damaliger Minister des Bergwesens wollte er sich von den Arbeiten an der Saline überzeugen, schrieb sogar ein Gedicht darüber. „Die ersten Erzeugnisse der Stotternheimer Saline“, nannte er seine Hommage an den Bergbau und an die damals fortschrittlichste, europäische Bohrtechnik. 

Noch viele andere spannende Geschichten gibt es über die Saline zu Stotternheim zu erzählen. Deswegen, so Autor Heinrich Bartl, habe er auch das Buch geschrieben. „Es war eine lange Zeit voller Recherche in den Thüringer Staatsarchiven und Bibliotheken, ja auch im privaten Fundus vieler Stotternheimer habe ich jahrelang Material gesucht“, erzählt er. Dreieinhalb Jahre hat das Schreiben des Buches gedauert. „Hauptsache es hat sein Ziel nicht verfehlt. Wir wollten die Salzgeschichte zu Stotternheim so interessant wie möglich aufarbeiten. Wie schön ist es doch, in den Buchladen zu gehen, und neben all den Büchern über Erfurt auch mal eines über so ein interessantes Örtchen wie Stotternheim zu finden“, lacht Bartl. Die Rechnung geht auf: Allein am Abend der Festveranstaltung wurden bis zu 100 Bücher verkauft.

Na dann: Glückauf!