Heimat-, Gewerbe- und Geschichtsverein e. V.

Die Geschichte der Salinen von Stotternheim  


(bitte sehen Sie sich zu dem Thema auch den Film des MDR unter Erfurter Seen an)

Im Jahr 1775 wurden bei der Suche nach Torf im "Bruch" zwischen Stotternheim und Nöda salzige Quellen entdeckt. Obwohl Salz zu den begehrtesten Bodenschätzen gehört, hält man im Großherzogtum Sachsen-Weimar bis 1821 eine Saline in Stotternheim für unwirtschaftlich.
1783 - Carl Leopold von Beust begann mit Bohrungen in Stotternheim, um an das Salzlager zu gelangen. Die Arbeiten wurden um 1800 eingestellt. Schwierigkeiten ergaben sich hauptsächlich durch die Sumpfwässer im Bruch.
1809 - Ableitung der Sumpfwässer aus dem Bruch in die Schmale Gera. Die völlige Trockenlegung trat erst im Jahr 1820 ein.
1822 - Der Hof- und Bergbaurat Glenck erhält die Konzession, im Herzogtum Weimar mit Ausschluss des Eisenacher Kreises für sechs Jahre nach Salz zu bohren. Er führt die alte Bohrung von Karl Leopold von Beust bis auf 73 m Teufe fort (Bohrung Stotternheim I). Leider brachte dieser Versuch nur eine schwache Sole und wurde deshalb aufgegeben.
1825 - Der Hof- und Bergbaurat Glenck kommt erneut nach Stotternheim und vertieft die Bohrung I bis auf 184 m.
1827 - Die Bohrung I wird von Carl Gotthelf Kind bei 337 m Teufe vollendet. Es war seinerzeit die tiefste Bohrung der Welt. Baubeginn für das erste Siedehaus.
1828 - Landesherr Carl-August aus Weimar besuchte mit seiner Frau, Großherzogin Louise, Stotternheim. Nachdem Großherzog Carl-August plötzlich verstorben war, wurde ihm zu Ehren auf dem Karlsplatz, der schon 1825 frisch angelegt worden war, ein Gedenkstein eingeweiht.
Die Großherzogin-Witwe Louise bekam die erste Salzprobe überreicht. Nach ihr wurde die Saline benannt: "Louisenhall".
1829 - Glenck meldet brieflich an Goethe, dass er in Stotternheim den mittleren Muschelkalk durchbohrt hat und im Salz fündig geworden ist.
1830 - Bohrung Louisenhall II bis 1835 mit einer Teufe von 340 Metern.
1832 - Der Hof- und Oberbergbaurat Glenck kaufte Land von der Gemeinde, um das Territorium der Saline Louisenhall zu vergrößern.
1839 - Die Saline lag zwischen Stotternheim und Nöda. Von Stotternheim zur Saline wurde eine Chaussee gebaut und mit Bäumen bepflanzt. Oberbergrat Glenck gab dazu 1000 Taler, die Staatskasse die gleiche Summe und die Gemeinde den Rest.
1842 - Die Saline erhielt ein neues Siede- und Trockenhaus.
1846 - Eröffnung des ersten Solebadens in der Badestube des benachbarten Rittergut-besitzers Karl Voigt.
1847 - Beginn der Bohrung Louisenhall III.
Eröffnung eines kleinen Kurhauses. Die Saline begann ihre medizinische Tätigkeit als Sol-Moorbad und Inhalatorium. Stotternheim wurde Kurort.
1849 - Die Bohrung Louisenhall III wurde vollendet (343 m).
1851 - Erweiterung der Badeeinrichtungen (Badezellen, Wohnungen für Badegäste).
1861 - Aufbau einer zweiten Siedepfanne mit Schlot auf Louisenhall.
1863 - Ein Promenadenweg wurde vom Ort am Bach entlang bis zum Kurpark angelegt.
1871 - Louisenhall erhält eine dritte Siedepfanne. Die Pferdefahrpost von Erfurt nach Sömmerda über Stotternheim wird eröffnet.
1882 - Die Bahnlinie Erfurt - Sangerhausen wurde eröffnet. Der Besuch des Solbades Louisenhall wurde immer attraktiver. Das Badehaus wurde vergrößert und verschönert. Ein neues Bohrloch (Louisenhall IV, 330 m Teufe) wurde gebaut und im gleichen Jahr noch in Betrieb genommen.
1885 - Beginn der Bauarbeiten für die Saline Neuhall. Sie wurde in der Nähe des Bahnhofs gebaut und mit einem Gleisanschluss versehen. Beginn der Bohrung Neuhall I (bis 1887, 376 m Teufe).
1886 - Bau des Verwaltungsgebäudes auf Neuhall. Die ersten Gruppen von Ferienkindern aus Berlin besuchen Louisenhall.
1887 - Aufnahme der Produktion auf Neuhall am 1. Mai. Das erste Salz verlässt Stotternheim auf dem Schienenweg.
Das Unternehmen der vereinigten Salinen (seit 1881 ist es eine Aktiengesellschaft) führte über 43 Jahre einen Prozess mit der Gemeinde Stotternheim. Gegenstand war die Versalzung von über 40 Brunnen in Stotternheim. Der Streit endete 1930 mit einem Vergleich zum Bau von 5 Ersatzbrunnen mit Versorgungsleitungen für die betroffenen Haushalte.
1890 - Die Zahl der Badegäste stieg stark an. Es musste die Kapazität durch Anbau und Erweiterungsangebote erhöht werden.
1896 - Kur- und Badebetrieb mit 20 Wannen für alle Arten medizinischer Bäder, großer Inhalationsraum, Liegehallen, zwei Gästehäuser mit je 20 Betten, gepflegter Kurpark mit Musikpavillon. In Stotternheim stehen 100 Betten für Badegäste bereit.
1901 - Bohrung Neuhall II (405 m Teufe).
1902 -  Stotternheim erhält elektrisches Licht.
1904 - Die Salzproduktion wurde hauptsächlich von der Saline Neuhall übernommen. Louisenhall war mit dem Bade- und Kurbetrieb ausgelastet. Vorrangig  wurden Kinder aus Berlin betreut, aber auch aus dem näheren Umfeld von Stotternheim kamen die Badegäste.
Die Gemeindegaststätte wurde zeitweise mit zur Übernachtung und Verpflegung der Kinder mit Lehrern genutzt.
1924 - Die Schornsteine von Neuhall werden um 17 Meter auf 52 Meter erhöht.
1925 - Bis 1940 Blütezeit des Kurbades mit 5000 bis 6000 Kurgästen pro Jahr.
1936 - Ankauf der Aktienmehrheit an der Aktiengesellschaft Vereinigte Salinen von den Brüdern Eberhardt. Zur Akteingesellschaft gehörten: die Salinen von Stotternheim, die Saline Stadtilm, die Saline Bufleben, die Feengrotten Saalfeld und die Schiefergruben Lehesten. Hauptsitz der Aktiengesellschaft war Stotternheim. In der Schillerstraße in Erfurt war die Gesamtverwaltung. Herr W. Köhler war Direktor und mit seinem Prokura-Studium auch sachkundiger Prokurist und in Stotternheim ansässig.
1943 - Einstellung des Badebetriebes auf Louisenhall. Nutzung der Gebäude durch die Schuhfabrik Hess, Erfurt.
1945 - Zum Kriegsende war die Not sehr groß. Die eingelagerten Güter aber auch Einrichtungsgegenstände des Solbades wurden geplündert. Es sah sich niemand veranlasst, den Badebetrieb wiederaufzunehmen, weil es auch keinen Verantwortlichen mehr gab. Das war das Aus für unser Solebad Louisenhall. Die Häuser wurden später als Wohnraum genutzt.
1947 - Enteignung der Gebrüder Eberhardt.
Die Enteignung brachte weitreichende Veränderungen mit sich. Die Saline Neuhall wurde landeseigener Betrieb. Der Direktor, Herr Köhler, wurde beurlaubt, später entlassen. Herr Berger und Herr Peters wurden eingesetzt, den Betrieb weiter zu führen. Der Firmensitz war in der Cyriaksstraße in Erfurt. Die Saline kam zur Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) und wurde Volkseigener Betrieb (VEB). VVB Mineral und Erz Thüringen.
1948 - Die Saline brauchte dringend eine Modernisierung. Der benötigte Kredit wurde nicht bewilligt, da die Chefetage nicht die nötige Qualifizierung aufwies. Man versuchte, den ehemaligen Direktor, Herrn Köhler für diese Aufgabe zu gewinnen, aber der war beruflich zwischenzeitlich anderweitig orientiert. Die Produktion war stark rückläufig. Die Saline arbeitete nicht mehr rentabel. Ein Neubau konnte nicht finanziert werden.
1949 - Stilllegung der Saline Neuhall. Die leeren Gebäude der Saline werden für den landwirtschaftlichen Handel genutzt: VEAB für landwirtschaftliche Erzeugnisse für den Kreis Erfurt, Erfassungsstelle Stotternheim, später Bäuerliche Handelsgenossenschaft Großrudestedt (BHG) Fil. Stotternheim
1959 -  Die Schornsteine der Saline Neuhall werden wegen Einsturzgefahr abgebrochen.
1960 - Die ehemaligen Wohnhäuser des Siede- und Badenmeisters werden auf Louisenhall abgebrochen.
2006 - Die Salinenstraße in Stotternheim wird zur Vermeidung von Verwechselungen mit der Straße gleichen Namens in Erfurt in Salinenchaussee umbenannt.