Heimat-, Gewerbe- und Geschichtsverein e. V.

100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges

Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juni 1914 mit dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo. Die Kriegsbegeisterung war von Anfang an nicht ungebrochen und auch nicht überall gleich ausgeprägt. Es gab einen deutlichen Unterschied zwischen Stadt und Land. Auf dem Land war die Begeisterung weit geringer. Denn dort lebten die meisten Menschen von der Landwirtschaft, und ein Kriegsbeginn im August bedeutete eine direkte Bedrohung der Ernte, da viele Männer gleich zur Armee eingezogen wurden. Insgesamt zwei Millionen Männer mussten für Deutschland schon zu Beginn in den Krieg ziehen.

Auch Stotternheimer Männer wurden in den ersten Weltkrieg eingezogen. Die hier namentlich Benannten kehrten leider nicht zurück. In der St. Peter und Paul Kirche zu Stotternheim sind die 45 Namen von den Gefallenen auf Holztäfelchen zu finden. In ehrendem Gedenken an:

Bauer, Friedrich *1882 +1915 - Brüheim, Max *1895 +1917 - Benkenstein, Otto *1894 +1915 - Benkenstein, Alb. *1892 +1917 - Dallgass, August* 1891 +1915 - Daniel, Otto *1894 +1915 - Federwisch, Franz *1879 +1915 - Federwisch, Berthold *1883 +1916 - Federwisch, Alfred *1894 +1914 - Fleischhauer, Otto*1897 +1918 - Focke, Karl *1898 +1917 - Greyer, Otto *1897 +1918 - Greyer, Alfred *1897 +1918 - Karst, Hermann *1877 +1914 - Karst, Walter *1893 +1916 - Krämer, Edm. *1894 +1915 - Kahlensee, Arthur *1894 +1917 - Kahlensee, R. *nicht bekannt +1917 - Kirstenpfad, Edmund *1895 +1917 - Kostenblatt, Hugo *1892 +1916 - Kühn, Max *1895 +1918 - Langer, Otto *1897 +1918 - Meder, Paul *1887 +1914 - Mohnsame, Otto *1894 +1917 - Möller, Otto *1899 +1918 - Hildebrand, Erich *1898 +1917 - Hausmann, Wilhelm *1897 +1917 - Hermstedt, Fritz *1892 +1916 - Haun, Emil *1882 +1918 - Hesse, Ernst *1878 +1917 - Pätzold, Wilhelm *1882 +1918 - Regenhard, Karl *1884 +1917 - Rosenbaum, Max *1895 +1915 - Reinhardt, Ottomar *1890 +1917 - Ritze, Wilhelm *1891 +1918 - Rottstedt, Kurt *1896 +1917 - Schlothauer, Otto *1894 +1918 - Seifert, Ernst *1897 +1917 - Schneider, Karl *1894 +1915 - Teubner, Karl *1893 +1915 - Usaer, Jakob *1879 +1916 - Volland, Franz *1890 +1916 - Voigtritter, Rudolf *1898 +1917 - Wawersetzky, Gottl. *1878 +1917 - Noa, Willy *1892 +1915

Ihnen zum Gedenken wurde der Ehrenhain am Felsenkeller errichtet.

In den Heimatglocken vom November 1921 wurde wie folgt berichtet:

Der Monat Oktober brachte unserer Gemeinde noch einen Gedenk- und Weihetag. Bereits im Jahre 1916, mitten im großen Kriege, während die Männer und Söhne unserer Gemeinde im Felde standen, wurde von den Daheimgebliebenen beschlossen, den im Kampf Gefallenen zum bleibenden Gedächtnis einen Heldenhain zu errichten. Zur Ausführung dieses pietätvollen Planes bot sich ganz von selbst der Hain am Felsenkeller dar. Ein monumentales Mauerwerk, der Unterbau eines alten Turmes, nach der Innenseite auslaufend in einer Reihe geschlossener gärtnerischer Anlagen, alles nach den Entwürfen des Herrn Gärtner Staib, wurde alsbald geschaffen. Nun hat die Erinnerungsstätte ihre letzte Vollendung gefunden, indem auf Veranlassung des Herrn Bürgermeister Eger an der Stirnseite des Turmes das Eiserne Kreuz und an dem Mauerwerk des inneren Rundteils auf 23 Bronzetafeln die Namen der Gefallenen eingeschrieben stehen. Die Kosten der Gesamtanlage sind durch Sammlungen in der Gemeinde gedeckt worden. Am 23. Oktober 1921 wurde der Ehrenhain, 10 Uhr, mit einem Gedächtnisgottesdienst und danach unter Beteiligung aller Vereine, Trommlerkorps, Angehörigen der Gefallenen, Behörden und Bürgermeister mit einer Feierstunde eingeweiht. 

Die halbrunde Mauer mit vier Türmen, endete zu beiden Seiten in Pfeilern. Direkt an der inneren Rundmauer befanden sich Bänke aus Stein, welche zum Verweilen einluden. Die davorliegende parkähnliche Anlage war rundherum mit Bäumen bepflanzt.  

Auf die Bronzetafeln deuten heute nur noch Spuren im Mauerwerk hin und auch die Bänke sind verschwunden.

Im Jahr 2009 bezeichnete ein Stotternheimer Bürger, was sich nach 1945 mit dem Ehrenhain ereignete als „geförderten Verfall“. „Es ist einer Nation nicht würdig, wenn man die gefallenen Söhne dem Vergessen anheimgibt.“

Wir wollen hiermit auf den Ehrenhain als Erinnerungsstätte aufmerksam machen. Wir dürfen nicht vergessen, wofür sie steht. 

Der Erste Weltkrieg forderte zwischen 1914 und 1918 rund 17 Millionen Tote. Er war der erste industriell geführte Massenkrieg, drei Viertel der Weltbevölkerung befand sich im Kriegszustand.

In der Folge kämpften wichtige Kriegsbeteiligte wie Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien einerseits sowie Frankreich, Großbritannien und das Britische Weltreich, Russland, Serbien, Belgien, Italien, Rumänien, Japan und die USA andererseits. 40 Staaten beteiligten sich am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte. Niemals zuvor kämpften so gigantische Armeen gegeneinander.

Der Krieg steht für unermessliches Leid der Soldaten. Dies schloss Großangriffe der Infanterie gegen stark ausgebaute und von Maschinengewehren verteidigte Stellungen, den Gaskrieg, tagelangen Artilleriebeschuss und Artillerieduelle bis dato ungekannten Ausmaßes, die ersten Luftkämpfe und den Minenkrieg mit ein. Bis heute sind in Europa die Spuren dieser Urgewalt zu sehen, mit der der erste moderne Krieg Menschen und Umwelt heimsuchte. Diese "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" (George F. Kennan) kostete fast neun Millionen Soldaten das Leben; zerstörte auch das alte Europa und bereitete die Saat für den zweiten, noch fürchterlicheren globalen Krieg. Im November 1918 kommt es zum Waffenstillstand. Der erste Weltkrieg endete am 11. November 1918. 

Die Novemberrevolution von 1918/19 führte in der Endphase des Ersten Weltkrieges zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und zu dessen Umwandlung in eine parlamentarische Demokratie, die Weimarer Republik.

Die Weimarer Republik wird in diesen Tagen 100 Jahre. Glückwunsch, der Demokratie!

In Weimar tritt am 06. Februar 1919 erstmals die verfassunggebende deutsche Nationalversammlung zusammen.

Die am 31. Juli 1919 beschlossene Verfassung „ist die damals modernste Verfassung der Welt“, sagt der Politikwissenschaftler Michael Dreyer, Leiter der Forschungsstelle Weimarer Republik an der Universität Jena. „Sie hat weitreichende liberale und wirtschaftliche Grundrechte, die Regierungskontrolle durch das Parlament, eine starke Stellung des Reichspräsidenten und ein modernes Verhältniswahlrecht mit einer föderalen Grundordnung vereint“, so Dreyer. Vorbilder seien die Verfassungen westlicher Demokratien wie der USA, Frankreichs und Großbritanniens gewesen. Hinzu kamen Innovationen. „Zum Beispiel war die in der Verfassung verankerte betriebliche Mitbestimmung mit dem Recht zur Gründung von Betriebsräten damals international völlig neu.“ (Thüringer Allgemeine, 06.02.2019)